Common API macht die Schweiz zu “DEM” Fintech Standort- Exclusives Interview

Common API macht die Schweiz zu “DEM” Fintech Standort- Exclusives Interview

by October 11, 2018
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Vor kurzem hat eine Swiss Fintech Innovation (SFTI) Arbeitsgruppe unter Leitung von Jürgen Petry erste Details der Schweizer Common API Spezifikation publiziert.

Die Initiative wurde bereits vor 2 Jahren gestartet, und SFTI hat es hier geschafft, wichtige Player mit an Bord zu haben. Dazu zählt auch die SIX, die zukünftig unter dem Dach des SFTI die Fortentwicklung der Common API Spezifikation koordinieren wird.

Im exklusiven Interview erläutert uns Jürgen Petry, warum diese Common APIs so wichtig sind für die Schweiz. Ergänzt wird dieses Interview durch ein Open API/Banking Glossar.

1) Warum braucht die Schweiz  Common API und kann die Schweiz sich so als DER Fintech Standort positionieren?

Jürgen F. Petry

Jürgen F. Petry

Wenn in der Schweiz als Top-Bankenplatz unsere Banken nicht auf Regulierung warten, sondern Kundenbedürfnisse aufgreifen und durch standardisierte Schnittstellen Innovationen beschleunigen, dann wird im Ergebnis eine Schweiz als Top Fintech Standort in nicht allzu weiter Ferne liegen.

Als Fachverband mit hohem Innovationsfokus sind wir bestrebt, zusammen mit den übrigen relevanten Playern am Markt alle nötigen Energien zu mobilisieren, um dieses Ziel schnell und nachhaltig zu realisieren.

 

“Über eine einzige Schnittstellen- Implementierung können zukünftig über 200 Banken erreicht werden”.

2) Für wen eignen sich die Schnittstellen am ehesten, und wer wird diese noch im 2018 nutzen?

Zu Beginn des Wirkens unserer Arbeitsgruppe haben wir uns intensiv mit der Identifikation der potentiellen Stakeholder-Gruppen beschäftigt. Neben den Fintechs sind es in erster Linie die Banken selbst, die von der “Common API” profitieren. Hier wird beispielsweise die Umsystem-Integration bei den Banken-Backends und die Entwicklung bzw. Integration innovativer Frontend-Anwendungen tangiert, um nur zwei Einsatzgebiete zu nennen.

Für die Anbieter von Standardsoftware ist die “Common API”-Ansatz ebenfalls von Vorteil: Aufwände für Release-Management sinken, und die Akquisition von Neukunden wird vereinfacht. Ein signifikanter Mehrwert ergibt sich auch für klassische Drittanbieter, etwa von eBanking-Lösungen: Über eine einzige Schnittstellen- Implementierung können sie zukünftig über 200 Banken erreichen.

Welche dieser Stakeholder-Gruppen zuerst Lösungen implementiert, die auf den “Common API”-Konzepten basieren, wird die Zukunft zeigen. Allerdings ist eine breite Nutzung noch im laufenden Jahr eher nicht zu erwarten, denn auf die Spezifikation der APIs muss erst noch ihre Implementierung folgen, und ein effektives Vorgehen wird hier sicher seine Zeit brauchen.

“Durch den Einbezug von Avaloq, Finnova, Finstar und Temenos kann das “Common API”-Konzept auch jenen Banken zugänglich gemacht werden, die Kunden dieser Softwarehäuser sind”

3) Wie versucht der SFTI die Grossbanken bei Common API zum Mitmachen zu überreden?

Im SFTI selbst sind fast alle systemrelevanten Banken vertreten. Bei diesen Instituten erübrigt sich daher ein “Überreden”, sind sie doch als Mitgliedsunternehmen dieses Branchenverbands auch die Auftraggeber der “Common API”-Arbeitsgruppe. Zudem pflegt unser Verband eine enge Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Bankiervereinigung SBVg mit dem Ziel sicherzustellen, dass wir uns dadurch breiter in der Finanzbranche abgleichen.

Durch den Einbezug von Avaloq, Finnova, Finstar und Temenos kann das “Common API”-Konzept auch jenen Banken zugänglich gemacht werden, die Kunden dieser Softwarehäuser, aber noch keine Mitglieder des SFTI sind. Damit decken wir ca. 3/4 aller FIs des Schweizer Bankenplatzes ab.

Schliesslich wird durch das jüngst beschlossene Zusammenlegen der Aktivitäten von SFTI und SIX die Reichweite des “Common API”-Ansatzes weiter erhöht. Das sollte auch die Unentschlossene(n) unter den Grossen überzeugen.

4) Die Swisscom hat ebenfalls eine Open Banking Initiative gestartet. Wie hängt das zusammen?

Bei dieser Initiative handelt es sich meiner Kenntnis nach um einen Ansatz, der in erster Linie auf der bestehenden Hosting-bzw. SaaS-Infrastruktur der Swisscom aufbaut. Hier soll ein bereits verfügbarer Kommunikations-Layer um API-Funktionalitäten ergänzt werden, die dann jenen Banken zur Verfügung stehen, die den Betrieb ihrer IT-Systeme an die Swisscom ausgelagert haben.

Der SFTI-Ansatz ist grundlegender: Wir streben eine Vereinheitlichung der Schnittstellen-Spezifikationen auf den Backend-Systemen der Banken selbst an. Dies ermöglicht es den Banken dann frei zu wählen, welchem Dienstleister sie sich anschliessen wollen, bzw. welche Services sie selbst – sei es als Eigenentwicklungen oder als zugekaufte White-Label-Lösungen – anbieten.

Die Common API Arbeitsgruppe ist damit auch ein Paradebeispiel für die eigentliche Mission des SFTI, den Finanzplatz Schweiz zu innovieren.

API and Open Banking Glossar:

  • Open Banking ist eine UK-basierte API-Initiative, der wegen ihres innovativen Ansatzes auch ausserhalb Grossbritanniens eine gewisse Aufmerksamkeit zuteilwird.
  • Die im EU-Raum momentan am weitesten verbreitete API-Spezifikation im Banking ist jene der „Berlin Group“ zu Payments und Access to Account.
  • Gemäss „Berlin Group“ beginnen sich ihre Konzepte auch in Grossbritannien durchzusetzen: Momentan sollen 12 UK-Banken die APIs gemäss den „Open Banking“- Konzepten implementieren, aber auch bereits 6 UK-Banken die Spezifikation der „Berlin Group“.
  • In der Schweiz wird „Open API“ oft mit PSD2 gleichgesetzt, was verkürzend und unrichtig ist. Zu PSD2 wiederum hat die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) eine ablehnende Position formuliert. Um hier jegliche Missverständnisse auszschliessen, hat sich SFTI dazu entschlossen, im vorliegenden Kontext die Bezeichnung „Common API“ zu wählen.
  • Der Bezeichner „Common API“ ist auch in der Sache besser geeignet, denn besagte Spezifikation soll allgemein zugänglich sein. Ob und wenn ja zu welchen Konditionen die einzelne Bank die Schnittstelle dann tatsächlich öffnet, liegt – im eindeutigen Gegensatz zu PSD2 – ganz in ihrem Ermessen.

 

Jürgen Petry, new business innovator at Raiffeisen Schweiz, co-director of the Swiss Fintech Innovations and head of the SFTI’s Common API Working GroupZur Person:

Neben seiner Tätigkeit im Innovationsmanagement der Raiffeisen-Gruppe engagiert sich Jürgen Petry als Co-Director in der Geschäftsleitung des Fachverbands SFTI, und darüber hinaus leitet er dort die Arbeitsgruppe “Common API” seit ihrer Gründung.

 

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