Digitale Buchhaltung? – Schweizer KMU’s sind weit davon entfernt

Digitale Buchhaltung? – Schweizer KMU’s sind weit davon entfernt

by September 24, 2020
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Als “digital” kann die Buchhaltung in Schweizer KMU nicht bezeichnet werden, wie Umfrageergebnisse von Gryps und RunMyAccount zeigen. Belege in Papierform sind noch immer Standard. Auch Online-Buchhaltungsprogramme gehören in der KMU-Landschaft nicht zur Norm. Die Vorteile einer digitalen Buchhaltung, wie tiefe Kosten und aktuelle und aussagekräftige Bücher, werden von Schweizer KMU noch nicht erkannt.

Buchhaltung als unliebsames Nebenprodukt für KMU – Konkursrisiko dadurch erhöht?

Auf einer Skala von 0-4 schätzen sich Schweizer KMU lediglich bei einer 2.8 ein, wenn es darum geht, die Buchhaltung für unternehmerische Entscheidungen (z.B. Einstellung neuer Mitarbeiter, Entscheid über Investitionen) zu nutzen. Besonders kleine KMU nutzen das strategische Potenzial der Bücher nicht, der Blick aufs Bankkonto muss oft genügen. Definieren KMU ohne Blick in die Buchhaltung wichtige Unternehmensprozesse, erhöht dies unmittelbar das Risiko eines Konkurses.

Und wie steht es um die Qualität der Buchhaltungen?

Eine Buchhaltungslösung muss für Schweizer KMU in erster Linie billig sein: Als wichtigsten Faktor nennen KMU “Tiefe Kosten”. Qualität und Gesetzeskonformität werden erst an zweiter Stelle genannt. So verwundert es denn auch nicht, dass die Schweizer KMU die Qualität ihrer eigenen Buchhaltung als mittelmässig einschätzen: Auf der Skala von 1-5 vergeben sich die Unternehmen lediglich eine 3.3 bei der Qualität der eigenen Buchhaltung.

Im klassischen KMU ist der Geschäftsführer der Buchhalter

Im klassischen KMU ist der Geschäftsführer der BuchhalterBeschäftigen sich KMU-Geschäftsführer lieber mit der Buchhaltung als mit ihren Kunden?  In 47% der befragten KMU führt der Geschäftsführer die Finanzbuchhaltung höchst persönlich. Ein externer Treuhandprofi übernimmt lediglich in 19% der befragten KMU die Buchhaltung.

Die Umfrage wurde zwischen dem 25. Juni bis 8. Juli 2020 durchgeführt wurde. Bei der Umfrage haben 109 KMU online teilgenommen.

Weitere Resultate in der Umfrage:

  • Digitale Belege in Schweizer KMU noch nicht angekommen: Über die Hälfte der Befragten (55%) schätzen den Anteil der Belege in Papierform in ihrem KMU noch immer auf mindestens 60%.
  • Offline dominiert gegenüber Online: Nach wie vor führen 60% der befragten Unternehmen ihre Buchhaltung auf einer lokal installierten Buchhaltungssoftware.
  • Buchhaltung intern ist Standard: Besonders kleine KMU mit bis zu 10 Mitarbeitern und grosse KMU ab 51 Mitarbeitern führen die Buchhaltung bevorzugt intern. Outsourcing ist bei den mittleren KMU verbreitet.
  • Verbucht wird selber, aber komplexe Tätigkeiten werden ausgelagert: Je komplexer und formeller die Tätigkeit in der Buchhaltung, desto eher werden Treuhandexperten hinzugezogen, z.B. bei Mehrwertsteuer (33%), Jahresabschluss (42%) oder Steuern (45%).

Die Umfrage zeigt
Die Umfrage zeigt: Schweizer KMU müssen die Vorteile einer digitalen Buchführung erst noch erkennen. Statt der Buchhaltung nutzen sie das KMU-Bankkonto, um unternehmerische Entscheidungen zu fällen. Dieses ist im Gegensatz zur Buchhaltung nicht aussagekräftig genug: Nur eine saubere Buchführung erkennt und vermeidet Liquiditätsengpässe und Konkurse auf lange Sicht.

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