Fintech wurde in Liechtenstein verschlafen

Fintech wurde in Liechtenstein verschlafen

by October 16, 2015
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Am 20. November findet in Liechtenstein die erste FinTech-Konferenz statt. Zwei Jahre nachdem es in der Schweiz die erste Konferenz gab, plant man nun auch in Liechtenstein das Thema FinTech voranzutreiben. Wir haben David Meyer, einen der Initianten von www.fintech.li, exklusiv im Interview einige Fragen zur Konferenz und zu FinTech in Liechtenstein gestellt. David gibt uns unter Anderem Einblicke in das bisher nicht vorhandene Liechtensteinische Fintech Eco System und erklärt die Besonderheiten vom “kleinen” Finanzplatz. Zudem offeriert er Fintechnews.ch Leser einen Rabatt bei der Anmeldung.

 

David Meyer, Fintech.Li

David Meyer, Fintech.Li

Hallo David.Warum braucht Liechtenstein eine eigene FinTech-Konferenz?

Liechtenstein hat einen eigenständigen Finanzplatz, der zwar gewisse Parallelen zur Schweiz aufweist, jedoch seine eigene Strategie verfolgt. Diese Finanzplatzstrategie war und ist sehr von den Themen Private Banking und Wealth Management geprägt. Dies ist in unseren Augen an sich nicht verkehrt, da man sich durchaus auf seine Stärken konzentrieren muss.

Was unserer Meinung jedoch in der Ausrichtung für die kommenden Jahre stetig zu kurz kommt, ist das Thema der digitalen Transformation in der Finanzindustrie. Hier hat Liechtenstein, unser Meinung nach, mit der Zugehörigkeit zum schweizerischen und zum europäischen Wirtschaftsraum ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal. Am Ende geht es vor allem darum, dieses an die Gegebenheiten des technologischen Wandels anzupassen und sich klar zu positionieren.

Die Schweiz hatte Fintech deutlich früher auf der Agenda


Kann man sagen, dass Liechtenstein hinter der Schweiz herhinkt?

Wenn man nur das Thema FinTech für sich betrachtet muss man ganz klar sagen, dass dies in der Schweiz bereits deutlich früher auf der Agenda stand und man den Trend in Liechtenstein bis dato schlichtweg verschlafen hat.

Liegt das daran, weil in Liechtenstein die Banken private-banking-lastig sind?

Das kann ein Grund sein, sollte es aber unserer Meinung nach nicht. Denn auch gerade in der Vermögensanlage gibt es immer mehr Anbieter die sich mit sehr guten technologiebasierten Lösungen z.B. im Bereich „Robo Advise“ hervortun.

Viele Banken sind dort noch nicht mal auf den Sozialen Medien. Denkst Du, das wird sich ändern?

Es gibt in Liechtenstein bereits mehrere Banken, die im digitalen Bereich unterwegs sind. Allerdings sind dies bisher sehr kleine Schritte. Wovon wir überzeugt sind ist, dass sich der Kundenkontakt in Zukunft nicht mehr nur auf den Kontakt in der Filiale beschränken wird, sondern sich immer mehr hin zu Online-Kanälen verschieben wird. Daher muss das Thema Multi Channel Banking integraler Bestandteil jeder Bankstrategie sein. Experimentierfreudigkeit, wie diese zum Beispiel die Glarner Kantonalbank aufweist, ist in Liechtenstein aber bisher eher selten. Die GLKB hat u.a. bereits Kanäle wie WhatsApp für die Kommunikation mit ihren Kunden eingeführt. Einen Erfahrungsbericht über ihre Digitalisierungstrategie wird Ivan Büchi in seinem Vortrag bei der Konferenz geben.

Ein Fintech Verein für Liechtenstein

Worauf werdet Ihr die Schwerpunkte bei der Konferenz legen?

Die Konferenz richtet sich direkt an FinTech-Unternehmen aus der DACH-Region. Wir bieten gemeinsam mit verschiedenen Institutionen Workshops rund um den Standort Liechtenstein an. Dabei handelt es sich sowohl um allgemeine wirtschaftliche Aspekte, als auch um komplexere Sachverhalte wie gesellschafts- und steuerrechtliche Besonderheiten oder das regulatorische Umfeld in Liechtenstein.

Ausgewählte Referierende berichten zu aktuellen Trends und Themen aus dem FinTech-Bereich. Inhaltlich richtet sich die Veranstaltung vornehmlich an FinTech-Unternehmen und Akteure des liechtensteinischen Finanzplatzes. Aber auch jeder andere, der sich über neue Trends in der Finanzbranche informieren möchte, ist herzlich willkommen.

Was dürfen wir denn inhaltlich erwarten?

Da das Thema FinTech am Finanzplatz in Liechtenstein noch relativ neu ist, haben wir uns bewusst dafür entschieden, den Rahmen thematisch nicht zu eng zu fassen und verschiedene Themen unterzubringen. Wir haben deshalb auch bei der Auswahl der Referierenden wert auf Vielfältigkeit gelegt.

So haben wir die Universität St. Gallen, die gemeinsam mit Banken verschiedene Forschungsprojekte zum Thema Crowdfunding betrieben hat und Ihre daraus gewonnen Kenntnisse vorstellen wird. Mit wikifolio haben wir ein sehr erfolgreiches FinTech-Unternehmen aus dem Bereich Social Trading, die es mittlerweile geschafft haben, durch Kooperationen mit Banken, ein eigenes Ökosystem rund um die bestehenden Strukturen aufzubauen. Dazu werden wir auch eine Diskussionsrunde bestehend aus verschiedenen Experten, die über den Standort Liechtenstein und seine Zukunftsaussicht im Hinblick auf das Thema FinTech sprechen, dabeihaben

20% Rabatt für Fintechnews.ch Leser

Ich frag mal ganz frech, können wir für unsere Leser einen Rabatt kriegen?

Also wenn du mich jetzt so direkt fragst denke ich, dass wir da sicherlich etwas machen können. Ich kann mir vorstellen das wir für die Leser von Fintechnews Switzerland durchaus einen Rabatt in Höhe von 20% auf den regulären Ticketpreis gewähren können. (Code “FinTech2015” eingeben)

Fintech muss in den Köpfen von allen Akteuren des Finanzplatzes fest verankert sein

Was müssen Deiner Meinung nach die Liechtensteinischen Banken ändern um FinTech voranzutreiben?

Zuerst einmal glauben wir, dass es nicht alleine nur die Banken sind, die sich das Thema FinTech auf die Fahnen schreiben müssen. Es muss in den Köpfen von allen Akteuren des Finanzplatzes fest verankert sein, dass es der grösste Fehler ist, sich auf den Erfolgen vergangener Jahre auszuruhen und man sich den Herausforderungen der Digitalisierung stellen muss. Dies betrifft sowohl Banken als auch die Regierung, Verbände oder auch die Finanzaufsicht. Denn wenn dies nicht geschieht, so wird man trotz des vorhandenen Potenzials auf lange Sicht den Anschluss gegenüber anderen Finanzplätzen verlieren.

Betrachtet man konkret die Banken, so ist es zum einen wichtig, die Digitalstrategie zur Chefsache zu machen. Digitalisierung kann nur klappen, wenn man den Weg konsequent geht und sich nicht in internen Grabenkämpfen verliert. Dazu muss man sich nur andere Branchen anschauen, in den die digitale Transformation schon weiter fortgeschritten ist. Vor allem für die Banken aus Liechtenstein ist es wichtig sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren und dann zu schauen, was konkret technologisch in diesen Bereichen möglich ist und inwiefern man dort neue Lösungen anbieten kann.

Keine Liechtensteinische Fintech Startups

Fintech wurde in Liechtenstein verschlafen

Erst kürzlich haben diverse Liechtensteinische Banken langjährige Investitionsvorhaben in Digital angekündigt. Denkt ihr, da wird auch was für FinTech-Projekte rauspringen?

Wenn man sich die Meldungen der einzelnen Institute anschaut, so ist zumindest davon auszugehen, dass es Projekte in diesem Bereich geben wird. Es wurden ja bereits grössere Summen für Investitionen in Innovationen angekündigt. Was sich unserer Meinung nach bisher noch nicht klar herauskristallisiert hat, welche Massnahmen die jeweilige Bank genau treffen wollen. Handelt es sich dabei eher um interne Strategien oder soll auch mit externen Partnern zusammengearbeitet werden und wenn ja, in welchem Rahmen.

Ihr habt auch den Verein FinTech (Liechtenstein) e.V. 2015 gegründet. Was plant ihr damit?

Grundsätzlich ist es so, dass ich gemeinsam mit meinen beiden Mitgründern Christian Reichert und Tobias Fitz Anfang des Jahres festgestellt habe, dass es bisher niemanden gibt, der das Thema FinTech in Liechtenstein aus Branchensicht fördert. Da wir allerdings davon überzeugt sind, dass Liechtenstein aufgrund der Expertise im Finanzbereich, den Besonderheiten im Marktzugang sowie regulatorischen Gegebenheiten, ein attraktiver Standort für FinTech-Unternehmen sein kann, haben wir den Verein gegründet. Das Ziel des Vereins ist es, Wissen im Bereich Finanztechnologie im Fürstentum Liechtenstein zu fördern und diesen Themenkomplex innerhalb des Finanzplatzes zu verankern. Im ersten Schritt möchten wir daher die Konferenz als jährliches Event hier in Liechtenstein etablieren. Dazu planen wir im nächsten Schritt kleinere Veranstaltungen zu konkreten Teilbereichen anzubieten. Genaueres dazu werden wir dann aber wohl erst im neuen Jahr bekanntgeben.

Gibt es Liechtenstein spezifische FinTech-Startups, die wir im Auge behalten müssen?

Aktuell sind in Liechtenstein noch die klassischen Finanzplatzakteure vorherrschend. Es gibt jedoch erste Projekte im FinTech Bereich z.B. durch die affinity ventures AG, die bereist verschiedene Unternehmungen in diesem Bereich angestoßen hat.

Wir glauben das sich sich in der nächsten Zeit auch noch einiges tun wird, denn am Finanzplatz in Liechtenstein ist nicht nur Kapital und langjährige Erfahrung aus der Finanzindustrie vorhanden. Durch die Universität und die dort gesetzten wirtschaftswissenschaftlichen Schwerpunkte Finanzdienstleistungen, Wirtschaftsinformatik und Entrepreneurship ist ein großer Pool an Talenten in der Region verfügbar. Wenn es gelingt diese Talente zu fördern und mit den richtigen Personen im Land zu vernetzen, wird es in Zukunft auch mehr Gründungen im Bereich FinTech in Liechtenstein geben.

 

Vielen Dank fürs das Interview

 

Short CV:

David Meyer ist gelernter Bankkaufmann und studiert aktuell im Masterstudiengang Entrepreneurship an der Universität Liechtenstein. Gemeinsam mit seinen beiden Mitgründern Christian Reichert und Tobias Fitz hat er 2015 den FinTech (Liechtenstein) e.V. in Vaduz gegründet und veranstaltet am  20. November die erste FinTech-Konferenz in Liechtenstein unter dem Motto „Finanzplatz trifft FinTech“.

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